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Auszüge und Zitate "Reise nach Bengalen"
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Im Naturparadies der Sundarbans
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"Auf dieser Fahrt findet man alles auf einmal, was die Fantasie sich auf dieser Erde an Schönem, Fremdartigem und Bezauberndem vorstellen kann. Sie führt mehr als 50 Meilen [80 km] durch ein ununterbrochenes Dickicht von herrlichstem, unterschiedlichstem Grün, durch das sich ein Labyrinth von schmalen Wasserwegen krümmt, entlang an zahllosen, dicht bewachsenen Inselchen, wobei die Windungen jeden Augenblick neue, malerische Ausblicke gewähren. Meist sind diese Gewässer kaum breit genug, um zwei kleine Schiffe aneinander vorbei zu lassen, während Masten und Segel an den dicht beblätterten Ästen entlangscheuern. – Bisweilen, wenn man aus einem mit dichtem Unterholz gesäumten Winkel einer engen, dunklen Durchfahrt, die auf einen der Hauptkanäle führt, herauskommt, erscheint auf ein Mal der Tag in all seinem Glanz, man befindet sich unvermittelt auf einer ansehnlichen Wasserfläche und segelt in einer breiten Fahrrinne, die sich in unabsehbarer Ferne wieder zwischen dem dunklen Urwald verbirgt. – Dann wieder bilden die ineinander verschlungenen Wipfel und Äste der Bäume an den zu beiden Seiten eng zusammentretenden Ufern stundenlang ein dichtes, grünes Gewölbe, wo angenehme Kühle und bezaubernde Dämmerung herrschen und wo die Sonnenstrahlen nur ein mattes, schwankendes Licht verbreiten bzw. hier und da an einer freieren Stelle nur durchdringen, um ihr desto mehr Glanz zu verleihen und sie gegen das Dunkelgrün all des Übrigen um so kräftiger hervortreten zu lassen. – Ein andermal wieder öffnen sich diese natürlichen Gewölbe langsam zu einem kleinen Meer, rundumher gesäumt mit den prächtigsten Bäumen, deren rauschende Kronen sich neben dem lieblichen Blau des Himmels auf der ebenen Wasserfläche spiegeln, wo dann oft der buntgefleckte Tiger furchtlos am hellen Tag die Ufer entlangschweift und die Vorbeifahrenden mit funkelnden Augen verfolgt. – In einem Wort, nur die Fahrten entlang der Flussarme in der ungestörten Wildnis im Binnenland von Amerika können sich an Mannigfaltigkeit mit diesem großartigen, anmutigen Naturschauspiel messen. Die Reise ist dabei vollkommen ungefährlich, wenn man anstelle der offenen einheimischen Boote solche nimmt, die eine Art Dach und Luken haben, die man nachts schließen kann, wenn das Schiff am Ufer liegt, weil man sonst große Gefahr läuft, zur Beute der über alle Vorstellungskraft hinaus zahlreichen Tiger zu werden, die sich in diesen Wäldern aufhalten und kühn genug sind, nachts auf die Boote zu springen. Selbst tagsüber ist es gewagt, an Land zu gehen, und von den Salzarbeitern und Holzfällern, die dazu gezwungen sind, wird manch einer gerissen ." Kap. 16
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Detail aus Haafners Kalkuttabild

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Die Chank-Fischerei
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"Śankha's sind große Muscheln aus der Familie der Tritonshörner, die der Breite nach zersägt werden und die die Inder entlang der ganzen Küste als Armbänder benutzen; in Glanz und ihre Weiße stehen sie dem Elfenbein nicht nach. Die nach links sich öffnenden, die von den Engländern left hand chank genannt werden, sind sehr selten und werden mit Gold aufgewogen; um diese handelt es sich, wenn die Inder bei ihren Zeremonien von der śankha Gebrauch machen. Sie sagen, Vishnu habe hierauf geblasen und dadurch der Natur wieder ihre Wachstumskraft verliehen und erneuert. Die Taucher, die diese śankha's vom Grund holen, sollen nicht ins Wasser gehen, bevor ein Brahmane die übliche Beschwörung gegen die Haie ausgesprochen hat, und es ist auffallend, dass es keine Beispiele dafür gibt, dass diese Monster je einen Taucher angefallen hätten." Kap. 3
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Heilige chank

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[Haafner besucht auf der Rückreise seine früheren Bekannten, die ihn als Waisenkind in Kapstadt aufgenommen hatten. Das Weingut Groot Constantia besteht bis heute.]
"Bei seinem Schwager, dem Herrn Cloete, Eigner der berühmten Constantia und Ehemann der anderen Tochter des Herrn Scheller, fand ich eine ebenso freundliche Aufnahme. Im Kreis all dieser liebenswerten Menschen verbrachte ich meine Zeit auf die angenehmste Weise und fand in ihrer Mitte noch die alte Gastfreiheit und wohlmeinende Herzlichkeit, die früher durchgängig das Kennzeichen der großzügigen Kapbewohner war; diese Eigenschaften wurden seltener, nachdem die Ostindische Kompanie im letzten Krieg französische Hilfstruppen zur Verteidigung der Kolonie aufnehmen musste, wodurch diese Nation hier den Ton angab und der windige französische Militärgeist an Stelle der genannten guten Eigenschaften nichts als Untugenden hinterließ." Kap. 22
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Dining Hall des Weinguts Groot Constantia heute

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"Der Inder ist bei seinem Äußeren und seiner Wohnung ganz besonders reinlich, um den Dreck vor seiner Türe kümmert er sich aber wenig und sieht durchgängig mit Gleichgültigkeit über ihn hinweg." Kap. 12
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Jivan Shah, Musiker in Varanasi

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"Eine Stadt wie Nagapattinam mit mehr als 8.000 Mann Besatzung, die aus Europäern, Sepoys und Truppen von Hyder Ali bestand und gedeckt war durch gute Außenwerke und Schanzen, hätte sich nicht ergeben müssen, sondern sich einige Zeit gegen eine Handvoll Engländer verteidigen können, die sie unter General Hector Munro belagerten. Aber welche Verteidigung konnte man schon erwarten von einem Gouverneur, der nur sein Vergnügen liebte und von einem Kommandanten, der in Europa Schneidergeselle gewesen war und vom einfachen Soldaten zu so hohem Rang aufgestiegen war, nur aufgrund des Verdienstes, eine schöne Frau zu haben? Die Briten selbst waren über die Leichtigkeit dieses Sieges verwundert, denn der schlimme Monsun stand bevor, und drei Tage später hätten sie die Belagerung abbrechen müssen."Kap. 23
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Die holländische Siedlung Nagapattinam 1676

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"Wenn ich Lust hätte, all das, was ich über ihre Gewaltherrschaft, Unterdrückung, Raubgier und Grausamkeit weiß und wovon ich Augenzeuge gewesen bin, ans Licht zu bringen, dann würde man eher glauben, die Annalen der Hölle als die einer zivilisierten Nation zu lesen." Kap. 23
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Sir Hector Munro of Novar

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Unfall auf hoher See
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"Auf der Höhe der Kapverdischen Inseln fiel ein kleiner Junge über Bord, und obwohl wir sofort durch den Wind gingen, war er bei der steifen Brise und den himmelhohen Wellen schon beinahe aus der Sicht entschwunden, so dass wir ihn alle bereits für verloren hielten; wir sahen ihn jedoch zu unserer Verwunderung noch auf dem Rücken liegend, wo er wie ein Stück Holz ein Spielball der Wellen war. Sein Onkel, unser Quartiermeister, besaß in seiner Verzweiflung über das Unglück zusammen mit zwei Matrosen die Kühnheit, ihn gegen den Willen des Kapitäns mit der Jolle in der aufgewühlten See zu suchen. Bevor man dazu kam, war der Junge schon außer Sicht, und die Jolle erreichte ihn gerade noch rechtzeitig genug, um ihn in dem Augenblick zu greifen, als er am Versinken war. Man brachte ihn ohnmächtig an Bord zurück, nachdem es den Leuten mit viel Mühe geglückt war, unser Schiff wieder zu erreichen, wo er durch die Fürsorge unseres Schiffsarztes, eines erfahrenen Mannes, bald ins Leben zurückgerufen wurde und kurz danach wieder vollkommen hergestellt war. Wir alle konnten uns nicht genug wundern, wie dieses Kind, das überhaupt nicht schwimmen konnte, auf den Rücken gelangt und nicht versunken war." Kap. 24
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Britische Verlässlichkeit
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"Insgesamt meine ich herausgefunden zu haben, dass die Engländer von echtem Schrot und Korn ihre Freundschaft oder ihr Vertrauen einem Fremden nicht so rasch zuwenden und lange Zeit zurückhaltend, ja sogar abweisend bleiben; wenn sie aber einmal jemandem ihre Zuneigung oder Freundschaft geschenkt haben, kann man sich in Leben und Tod auf sie verlassen, und ihre Freundschaftsbezeugungen sind alles andere als bloßer Schall und Rauch." Kap. 6
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Colonel Watson, aus Haafners Bekanntenkreis

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Ein überraschender Fund
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[Haafner hatte auf seiner Reise einen Bettelmönch in die Flucht geschlagen, der eine Einheimische vergewaltigen wollte.]
"Einige Tage nach meiner Ankunft in Bhimunipatnam fiel mir zufällig der Bambusstock des Heuchlers, dessen Vergnügen ich gestört hatte, in die Hände. Er war ungemein lang und schwer, und als ich ihn genau betrachtete und umdrehte, schien es mir, als ob sich etwas darin bewegte. Wie groß war aber meine Verwunderung, als ich bemerkte, dass der Elfenbeinknopf aufgeschraubt war, ihn abdrehte und den Stock, der innen hohl war, umdrehte und ihn voller goldener Pagodas fand! Jedes Stück war einzeln in einen Leinenlappen gewickelt und mit einem Draht umwunden; ich zählte 64 Stück und fand im untersten Päckchen drei Diamanten, die ich später in Madras einem Juwelenhändler für 140 Pagodas verkaufte." Kap.18
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